Wenn ein Mann eine Emanze liebt

Wenn ein Mann eine Emanze liebt, ist er unweigerlich an vielen Kämpfen mit beteiligt. Diskussionen darüber wer wann wieso im Auto vorne sitzen sollte, wer denn jetzt bei der Hochzeit welchen Namen annimmt oder ob gewisse Sexpraktiken jetzt nun erniedrigend und unterdrückend sind oder nicht.

Aber ein Mann der eine Emanze liebt wird auch unglaublich von dieser Beziehung profitieren. Er hat keine Freundin die erwartet ständig eingeladen, umworben und betüttelt zu werden. Er hat keine Freundin die meint irgendwo eine Vormachtstellung zu besitzen und das nur weil sie Titten und Muschi hat. Bei einer Hochzeit wird er genauso Mitsprache in der Planung haben und rückt nicht in den Hintergrund als unsichtbarer Bräutigam. Denn nicht nur sie ist emanzipiert, sondern auch er.

Jedenfalls in meiner Welt.

Nehmen und geben sollte in einer guten Partnerschaft stets ausbalanciert werden. Natürlich gibt es immer wieder Differenzen und das ist auch gut so, denn dadurch wird man reifer, lernt sich kennen und vor allem respektieren. Ich koche gerne, mein boyfriend nicht. Für ihn zu kochen ist für mich keine Reduktion als Hausfrau, denn ich bin emanzipiert genug, dass zu tun, was mir Spaß macht, frei von allen Zwängen. Putzen macht mir keinen Spaß, genauso wenig wie Aufräumen. Finde Ordnung aber super und so räumt mein Freund dann oft meinen Shit weg und übernimmt eben mehr den Aufräumteil. Finde ich fair, Rollenverteilung ist keine schlechte Sache, wenn sie geschlechter-unspezifisch gehandhabt wird und jeder sich seine Rolle aussuchen darf. Wollen beide nicht putzen,müssen sie es eben gemeinsam machen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Also was muss ein Mann beachten, was kommt auf ihn zu, wenn er eine Emanze dated? Was passiert, wenn ein Mann eine Emanze liebt?

Ein Mann der eine Emanze liebt, wird seiner selbst willen geliebt, denn eine Emanze braucht keinen Versorger und Ernährer der ihr in der Gesellschaft Stellung verleibt, denn sie genügt sich selbst. Sie liebt Ihn dann, wenn er in ihrem Leben eine Bereicherung ist und wird im Gegenzug alles tun um ihn glücklich zu machen. Aber eben nicht auf Ihre Kosten.

Eine Emanze liebt ihren Mann seiner selbst Willen.

Ein Mann der eine Emanze liebt, wird nicht missbraucht um endlich sagen zu können das man #finallyyy jetzt mal jemand gefunden hat, den man bei Facebook präsentieren kann sowie der Verwandtschaft, nur um sich selbst zu erhöhen. Klar wird sie stolz auf ihn sein und ihre Liebe auch gerne präsentieren! Aber das nicht ihre erste Motivation, nur Liebe treibt sie an.

Eine Emanze liebt ihren Mann seiner selbst Willen.

Ein Mann der eine Emanze liebt, wird eine Frau an seiner Seite wissen, die mit ihm durch Dick und Dünn geht. Die es schön finden wird, wenn er sich wie sie „maternity leave“ nimmt um Zeit mit ihrem gemeinsamen Kind zu haben. Die nicht davon ausgeht, dass es ihr Kind ist. Eine Frau, die nicht auf Ihn herabblicken wird wenn er weniger verdient, und nicht auf ihn heraufblicken wird, wenn er mehr verdient. Eine Frau die Ihn dafür achtet, seinen Weg zu gehen und seine Leidenschaft auszuleben. Eine Frau mit der man alles teilen kann, die mit einem alles teilen wird.

Eine Emanze liebt ihren Mann seiner selbst Willen.

Ein Mann der eine Emanze liebt, wird kein hübsches Accessoire zu seinem Porsche haben, sondern eine Beste Freundin, mit der er Playstation spielen kann, zusammen auskatern kann, mit der er Frauenshit und Männershit teilen kann und mit der man sich köstlich darüber beömmeln kann, wie verrückt das alles ist. Er lernt den Unterschied von Conditioner zu Shampoo, oder den von Concealer und Highlighter und erklärt ihr, wann ein Elf-meter stattfindet. Außer sie weiß das schon. Manchmal wird es auch andersrum sein, dass die Emanze fitter in „Männerthemen“ ist und der Boyfriend in Fashion, so wie mir mein Freund letztes erklärt hat was ein „Crop-top“ ist. Und das ist immer witzig und interessant. Denn beide lernen von der Welt eines total anderen Menschen und lieben es, wie die Augen des anderen diese sehen. Ein Mann wird also davon profitieren, eine starke und manchmal schwache Frau an seiner Seite zu wissen, denn sie es selbstbewusst genug ihre Verletzlichkeit zu zeigen und stark genug ist sich für ihre Ideale und auch für Ihn als Mensch einzusetzen.

Eine Emanze liebt ihren Mann seiner selbst Willen

Aber wenn das so ist, warum werten die Männer Emanzen so ab? Warum ist es so ein Schimpfwort geworden? Und warum reagieren vor allem oft aggressiv auf „Emanzen“?

Der Reihe nach. Ich denke Männer haben zwei Gründe Emanzen abzuwerten.

  • Erstens gibt es radikale Emanzen, die mit den kurzen Haaren und Muckis und frechen Sprüchen, die Männer gerne ausrotten wollen. Yo, noch nie so eine kennen gelernt. Ich streite nicht ab, dass es sie gibt, aber ich denke im realen Leben repräsentieren sie die Minderheit. Ob dieses Klischee tatsächlich existiert oder nur eine chauvinistische Abwertung starker Frauen ist, ist mir auch egal, denn ich identifiziere mich nicht mit Ihnen. Für mich sind das keine Emanzen.
  • Zweitens gibt es Männer, die Frauen, die nach Gleichberechtigung streben, abwerten wollen. Sie stellen für sie eine Gefahr da, eine Gefahr ihrer Traditionen, eine Gefahr auf ihre Partnerwahl und Zukunft, eine Gefahr ihres Berufsweges und eine Abwertung der Rollenverteilung die sie als richtig empfinden, denn immerhin war Muddi auch immer zu Hause und man wurde betüttelt und ach ja das war ja so schön #HappyTimes. Aber warum eine Gefahr? Habt ihr Angst vor Competition? Ziemlich unmännlich. Und jene die glauben eine Frau habe es eh nicht drauf sie berufsmäßig zu überholen, müssen ja auch keine Angst haben. Für mich ist das Verhalten eine Verweigerung vor der Wahrheit und die Wahrheit tut eben manchmal weh.

Aber warum reagieren Frauen oft so aggressiv auf Emanzen?

Ich denke, hier ist es ähnlich. Einige Frauen empfinden die Emanzipation als etwas das sie stigmatisiert und schwach macht. Sie wollen keine Extrarechte, weil sie Frauen sind denn sie wollen als Menschen angesehen werden. Valid point. Aber genau das ist in meinen Augen eine Emanze! Verzerrte Verhaltensweise von bissigen Frauen und verzerrte Verhaltensweisen von bissigen Männern haben die Emanzipation als etwas schlechtes darstehen lassen. Beide Formen dieser Extremen Bejahung oder Verneinung sind für mich equally retarded. Bei der Emanzipation geht es nicht (und das kann ich nicht genug betonen) um die Vormachtstellung der Frau oder die Diskriminierung des Mannes. Emanzen setzen sich vielleicht nicht in erster Linie für die Ungerechtigkeiten des Mannes ein. Ein Schwarzer ist vielleicht auch nicht dafür, das Weiße Diskriminiert werden aber seine Philosophie ist es eben nicht in erster Linie die Weißen aus ihrem Unglück zu befreien, denn er identifiziert sich mit seiner Peergroup und möchte dieser Peergoup helfen. Seine Ideale sollten natürlich nicht zu Lasten der Weißen fallen, aber er hat ein Recht ohne sich erklären zu müssen, warum er sich für seine Peergroup einsetzt. Deal with it. Was mich zum nächsten Thema bringt: Peergoup.

Frauen haben keine Peergroup

Was mich an den Frauen die Emanzipation hassen so stört ist die fehlende Identifikation mit der Gruppe Frau. Viele Männer halten wirklich besser zusammen als Frauen es in der Regel tun und das macht mich traurig und wütend. Frauen, die der Freundin vorheulen wie schlimm das ist, dass der Rüdiger einen betrogen hat und dann ins Bett springen mit einem verheirateten Mann sind für mich das allerletzte. Diese Doppelmoral zeigt mir oft auf, wie wenig wir zusammen halten. ich für meinen Teil würde Handlungen in dieser Art niemals durchführen, denn ich würde mich immer in die Lage der Frau versetzten und ihr diesen Kummer nicht antun wollen. Egal ob ich die Tuse kenne, mag oder sogar nicht mag.

Diese Art von Mensch möchte ich nicht sein.

In unser gegenüber hineinversetzen.

Im Endeffekt geht es auch nicht um Frauen oder Männer. Es geht um Empathie. Es geht darum, wie wir mit unserem Mitmenschen umgehen wollen, im Großen, also in was für einer Gesellschaft wir leben wollen, sowie im kleinen, wie wir unseren Partner behandeln wollen. Wollen wir in einer diskriminierenden, unfairen Gesellschaft leben wo wir auch noch unseren Teil dazu beitragen die Probleme zu verstärken?

In dieser Art Gesellschaft möchte ich nicht leben.

Was Du nicht willst, was man Dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu.

Meine Mama und Kant hatten Recht: Es geht darum eigene Maxime zu haben die übertragbar sind auf jeden Bereich unserer Gesellschaft. Empathie und Gleichheit sind einer davon. Ich rede nicht von Gleichmachung, aber von gleichen Rechten und Pflichten. Und das für beide Seiten!

Und wenn wir im Kleinen anfangen und wieder bei der Partnerschaft sind: Wünschen wir uns nicht genau das? Einen besten Freund? Einen Seelenpartner? Einen gleichberechtigten, wundervollen, total unterschiedlichen Menschen der uns genauso liebt, wie wir Ihn? Ich denke ja. Wir müssen uns Fragen, ob wir unsere Grabenkämpfe in Gesellschaft und Partnerschaft ewig führen wollen, oder ob wir eines Tages aufhören uns anhand von Kategorien zu sehen sondern beginnen uns als Menschen wahrzunehmen.

Denn wenn wir diese Werte in unserem Kopf leben und unserem Herzen, werden wir eher jemanden finden der das auch so sieht. Mit dem man gemeinsam die Welt ein bisschen besser machen kann.

Hand in Hand.

In diesem Sinne, #findyourlobster

-Nele

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11 Gedanken zu “Wenn ein Mann eine Emanze liebt

  1. Hi! 🙂
    Auch hier geb ich mal wieder meine Meinung ab. 😀 Ich bin generall auch für Emanzipation bzw. vor allem für Gleichberechtigung. Zum Beispiel beim Verdienst. Und wie du schon schreibst, das wichtigste ist sich gegenseitig gleichermaßen zu respektieren, egal ob Mann oder Frau. Was mir dazu aber einfällt ist, dass ich es überhaupt nicht mag, dass manche es mit dem Feminismus einfach übertreiben. Wörter wie ‚Lehrer‘ oder ‚Schüler‘ werden anscheinend von manchen als diskriminierend empfunden, weil sie ja nur die männlichen Wesen benennen würden. Man müsste also ‚Lehrer und Lehrerinnen‘ sagen, oder, wem das zu lang ist, ‚die Lehrenden‘. Man findet inzwischen sogar schon das „Vater Unser“ umgedichtet. Zum Beispiel in „Du, Gott, bist uns Vater und Mutter im Himmel“. Wer erstens Zeit hat, sich wegen so einem Blödsinn Gedanken zu machen und zweitens sich deswegen diskriminiert fühlt, hat meiner Meinung nach Langeweile und ein Problem mit sich selbst. Keine normale Frau, die sich auch als solche wohlfühlt und mag, fühlt sich doch deswegen diskriminiert, oder?

    Viele Grüße – Elli 🙂

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    1. Liebe Elli!
      Danke für deinen interessanten Input. Ich finde auch, dass es einige Damen der Schöpfung übertreiben, aber die Übertreiber gibt es in jeder Ideologie. Was die Sprache betrifft, habe ich das alles auch lange Zeit als Humbug abgetan. Für meine Masterarbeit habe ich mich dann doch mit dem Generischen Maskulinum beschäftig, also wenn man z.B. vom „Customer“ spricht, dass man dann sagt „er geht in den REWE einkaufen“. Dabei meint man immer beide Geschlechter. Man muss dann angeben, dass mit „he“ auch immer „she“ gemeint ist. Das ist nicht wirklich gender-fair (man könnte es ja auch andersrum machen). Und mir ist aufgefallen, dass Sprache auch unsere Art zu denken bestimmt. Wenn ich jetzt erzähle, dass die liebe Elli mit Mitarbeitern des Vorstands zusammen sitzt wirst du automatisch auch nur an Dich denken im Kreis vieler, Anzutragender Männer. Dabei wären vielleicht auch Frauen gemeint. Man kann das dann so schreiben: Elli sitzt mit Mitarbeiter_Innen zusammen. Das ist fair. Einen interessanter Artikel dazu findest du hier: http://svenjagraefen.tumblr.com/post/115957153292/hey-ronja
      Er ist zugleich die Antwort von Svenja Gräfen zu Ronya’s von der Rönne Artikel („Warum mich der Feminismus anekelt“). Beide Lesenswert. Hast Du Ronyas Artikel gelesen? Wie auch immer, schön, dass du so emanzipiert bist, wenn du mit „Mitarbeitern“ auch an Frauen denkst, aber es sind nicht alle so. Wenn wir mehr Gleichheit in Bezahlung hätten oder einigermaßen gleiche Verhältnisse von Frauen in Vorständen, bräuchten wir vielleicht diese Feinheiten nicht. Aber wir vergessen oft, das unsere heutige „Gleichheit“ nur da ist, weil unsere Mütter und Großmütter dafür gekämpft haben. Es ist vieles besser, aber noch ein langer Weg vor uns, denn noch immer gibt es Diskriminierungen. Ich hoffe, dass wir eines Tages das erreichen, was ich in meinem Artikel ausgedrückt habe: das wir in einer Gesellschaft leben, wo wir uns anhand unseres Charackters beurteilen und nicht auf Grund von Geschlecht, Hautfarbe oder Alter.

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  2. Ich habe beide Artikel gelesen bzw. überfolgen. Für mich persönlich bleibt es trotzdem wie man bei uns sagen würde „Schmarrn“ 😀 wenn man z.B. ständig Mitarbeiter_Innen schreiben müsste. Ich habe auch kein Problem damit, wenn ich als Frau in dieser Gruppe von Personen wäre, die ‚Mitarbeiter‘ genannt werden. Selbst wenn jemand da vielleicht nicht sofort darüber nachdenkt, wie hoch denn die Frauenquote unter den angeblichen ‚Mitarbeitern‘ sein könnte. Es gibt wesentlich wichtigere Dinge, um die man sich kümmern müsste! Und ich finde, man sollte dein Ziel auch erreichen können, ohne an der deutschen Sprache rumbasteln zu müssen.
    Viele Grüße 🙂

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  3. FInd ich irgendwie lustig, wie du einerseits im oberen Abschnitt jene Frauen abwertest, die „keine Emanzen“ sind [oder sich nicht als solche bezeichnen] und andererseits weiter unten dich darüber beschwerst, dass Frauen nicht zusammenhalten.
    Finde den Fehler. 😉
    Übrigens ist meine Partnerschaft wie die von dir oben beschriebene. Ersetze hierfür lediglich das Wort „Emanze“ durch „Frau“. Nennt sich „gleichberechtigte Partnerschaft“, geht auch echt gut ohne eine Emanze zu sein. 😉

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    1. Yo der „Fehler“ ist offensichtlich. Ich kann mich mit Frauen identifizieren und sie kritisch sehen, so soll denn bitte die Diskrepanz darin liegen? Emanze sage ich bewusst und das werde ich auch in der Zukunft tun. Sobald wir alle brav gleichberechtigt sind ersetze ich das gerne durch „Frau“ bis dahin bin ich -genauso wie du- reißerisch und verwende das Wort (was leider oft als Schimpfwort verwendet wird) „Emanze“ als Synonym für gleichberechtigte (oder gleichbestrebte) Frau.
      😉

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