Was interessiert mich unsere Flüchtlinge

Rassismus ist falsch. böse, unfair und vor allem so Dritte-Reich-mäßig, das wollen wir ja gar nicht sein. Aber wäre schon cool, keine Muslime in unserem Land zu haben die ihre Töchter lebendig verbuddeln bloß weil die Kaugummi kauen, oder Flüchtlinge die unsere Kultur verändern oder diese Zigeuner die immer nur klauen (nennt man die jetzt Sinti und Roma?). Ja man nennt die so. Wir haben in der Schule gelernt zu was Rassismus fähig ist und das in unserem eigenen Land. Vorgestern war ich in Krakau und habe dabei auch Auschwitz besucht. Ein trauriger Ort.

Sicher sind sich alle einig, diese Geschichte nie wieder erleben zu wollen. Aber was tun wir eigentlich dafür? Ja wir passen auf, was wir über Juden sagen, denn die zu diskriminieren ist ein No-go. Logisch. Aber was ist mit den Türken, den Griechen, den Schwarzen, Alten und Frauen unseres Landes? Wird Diskriminierung erst nach einem Völkermord ein No-go oder wollen wir wirklich diesmal etwas gelernt haben und fangen jetzt und hier, heute und überall an, Diskriminierung nicht nur nicht zuzulassen, sondern zu bekämpfen.

Leichter gesagt als getan, selbst nichts gegen Diskriminierung zu tun reicht den meisten Menschen völlig aus. Dabei geht es nicht um das was wir nicht tun, sondern um das was wir tun. Und nicht gegen Rassismus sein und sich gegen Rassismus einsetzen sind eben dann doch zwei Paar Schuhe. Und der Schuh zwickt besonders, wenn man etwas von sich selbst dafür aufgeben muss. Sei es Zeit, Geld oder ja! Platz im Vaterland.

Wir alle tun zu wenig. Wir werden auch nie genug tun, denn es ist schier unmöglich die ganze Welt zu retten, aber vielleicht kann sich jeder etwas aussuchen wo er versucht seinen Beitrag zu leisten. Das erste wär vielleicht sich mal einzugestehen was einen hemmt. Viele Menschen sagen, sie haben Angst. Versteh Ich. Ich jedenfalls hab auch Angst. Angst vor Islamisierung, Angst vor Veränderungen, Angst vor der Schwächung unserer demokratischen Werte. Yo. Aber unsere deutschen demokratische Werte besagen doch, dass die Würde aller Menschen unantastbar ist? Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit – das sind Werte die wir alle behalten wollen, warum tun wir so wenig dafür? Sicher ist es falsch naiv an das Problem mit den Flüchtlingen heranzugehen. Menschen die durch Leid gehen können z.B. eher zu Aggressionen neigen, das merke ich wenn ich morgens um 8am aufstehen muss. Wie kann ich es dann jenen Menschen verübeln so zu fühlen? Wahrscheinlich gar nicht. Aber verstehen bedeutet eben nicht gleich akzeptieren und wir dürfen auch kritisch an solche Situationen herangehen.

Wie bleibt man fair und dennoch kritisch?

Ich weiß es nicht. Vielleicht erstmal indem man ehrlich zu sich selbst ist. „Ja ich habe Angst, dass Ausländer die Dinge die ich an meinem Heimatland liebe, verändern und zwar verschlechtern“. Wär ehrlich. Und: valid point, ich finde nämlich dass sich Ausländer an unsere Kultur anpassen sollen, immerhin binde ich mir auch ein Kopftuch um, wenn ich in eine Moschee in der Türkei gehe. Eben aus Respekt der anderen Kultur. Okay, ehrlich sein.

Vielleicht zweitens bilden: Nachrichten, Zeitungen und Eigenrecherche helfen einem konkrete Zahlen zu analysieren. Auch Geschichte kann uns einiges aufzeigen, sowie ich gestern in der FAZ über boat people aus Vietnam gelesen habe in dem erklärt wurde wir positiv die Integration geklappt hat. Positive Beispiele macht nämlich Mut und zeigt uns, dass es möglich ist offen und tolerant zu sein ohne das wir radikal islamisiert werden bis 2020.

Drittens sollte man stets abwägen, welche Risiken realistisch sind und welche tatsächlich eher rassistische Lebensanschauungen geworden sind. Da muss man nämlich echt aufpassen – Aussagen wie „Ich sehe die Rolle der Frau im Islam kritisch“ sind berechtigt aber „Bei Muslimen werden Frauen diskriminiert“ sind rassistisch, denn es gibt wundervolle, freiheitsliebende Muslima, die ihr Kopftuch tragen und die sich von keinem muslimischen Mann Vorschriften machen würden.

Viertens: Man sollte sich ein eigenes Bild machen. Über Minderheiten abzulästern von denen man kein Schwein kennt ist schon sehr weltfremd. Ich versuche stets einen diversen Freundeskreis zu pflegen, denn durch Menschen lernt man die Menschheit besser kennen als Schockstories in der Bild, Soap-serien oder Beziehungsratgeber.

Reden, reden, reden

Ich weiß nicht, wie wir den Rassismus am effektivsten bekämpfen können und habe die Weisheit sicher nicht mit Löffeln gefressen aber Kommunikation und Empathie ist denke ich ein guter Anfang. Empathie löst die emotionalen Barrieren zwischen uns auf und plötzlich erkennen wir, dass die Menschen auf den Schlauchboten die vom nahen Osten oder Nordafrika zu uns kommen, furchtbare Existenzängste durchhalten müssen. Sie leiden unter Kälte, werden verschleppt, leiden Hunger und Durst, von Menschenhändlern bedroht und ausgebeutet und müssen um das eigene Leben sowie das iIhrer Geliebten bangen.

…Und damals, in der Entnazifizierungszeit haben die Kinder ihre Eltern gefragt ob sie das mit den Juden damals nicht wussten und wieso sie nichts unternommen haben. Damals gab es ein diktatorisches Regime in unserem Land und wir verurteilen unsere Vorfahren obwohl wir nicht mal wissen, wie wir gehandelt hätten. Und heute, müssen wir keine Konsequenzen fürchten, wenn wir uns für eine richtige Sache einsetzten: Wir können protestieren, Shitstorms auslösen, spenden, Menschen helfen. Aber was machen wir? Nichts. Die Angst vor der Konsequenz, der Veränderung unserer heiligen demokratischen Werte bringt uns in die Resignation. Aus Liebe zur Demokratie undemokratisch.

Was können wir gemeinsam für Toleranz, Empathie und gelebte Diversität tun? Wie erlebt ihr das ganze aus Eurer Welt?

Lasst uns heute damit anfangen und diskutieren!

In diesem Sinne #staydemocratic

-Nele

Photos: Giphy

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2 Gedanken zu “Was interessiert mich unsere Flüchtlinge

  1. Hi, nur kurz.
    Du schreibst:
    „ich finde nämlich dass sich Ausländer an unsere Kultur anpassen sollen, immerhin binde ich mir auch ein Kopftuch um, wenn ich in eine Moschee in der Türkei gehe. Eben aus Respekt der anderen Kultur. Okay, ehrlich sein.“

    Warst du schonmal in einem anderen Land für längere Zeit, also so ab ein zwei Jahren dort leben? Es ist so schwer, mit der neuen Umgebung klar zu kommen, selbst wenn sie nur ein kleines Bischen anders ist, als wo du herkommst; und selbst wenn du mit einigermaßen viel Geld und guter Ausbildung nicht gerade auf der Straße anfangen musst. Das fand ich jedenfalls.
    Niemand kann sich einfach resetten und dann mal „an die neue Kultur anpassen“ — zwei Sachen noch:

    – Wir sollten uns fragen, was wir dazu lernen können, nicht nur, was jawohl das mindeste an Persönlichkeitsveränderung wäre, bevor „die Anderen“ hier „rein“ dürfen. Viele Probleme zwischen den in den letzten Jahrzehnten erst eingewanderten Leuten und schon vorher eingewanderten sind doch eher Probleme der mangelnden Integrationsfähigkeit der Aufnahmegesellschaft. Deutschland* als Staat hat doch oftmals verpennt, eine aufnehmende Integrationspolitik zu betreiben. Die Migranten sollten Gastarbeiter und Migranten bleiben, oder Asylbewerber und Asylanten. Jedenfalls keine Bürger in der Mitte der Dörfer, sondern eben Gruppen von Anderen an deren Rändern und Armenhäusern.
    Oder aber es soll solche Absurditäten geben wie Ansiedelungen (staatlich organisiert) von 150 neuen „Asylanten“ auf einmal, in einer Ortschaft mit selbst kaum mehr Bewohnern. Ob das stimmt, habe ich nicht nachgeprüft, halte es aber durchaus für möglich von dem her, was ich hier in NRW teilweise(!) so mitbekommen habe. Die Ausgrenzungspolitik in der Migrationspolitik ist ein Problem; mensch kann nicht zugleich Leute ansiedeln, und sie aber nicht einbürgern. So schafft man sich ewige Migranten*.
    Wer Deutschland* so kennen lernt, am „Rand“ der Gesellschaft, da wo sie am ungerechtesten ist, und sich dann an Deutschland* eben anpasst, weil anpassen muss, kriegt dann womöglich hinterher einen reingwürgt als ewiger Migrant, der sich nicht integriert auch noch intolerant ist und vielleicht selbst rassistisch. — Und viele Probleme mit „Migranten“ sind doch tatsächlich Spezialfälle von Klassen-Problemen.

    – Das Kopftuch Ding ist leider so ein Symbol geworden. Mir war nicht bewusst, dass wir* auch so eine Kleiderordnung haben, die allerdings vorschreibt, dass Kopftücher nicht sein sollen.^^ Soweit ich weiß gibt es eine einzige Ordnung zum Thema Gesichtsverschleierung auf der Straße, die verhindern soll, dass Verbrecher so vermummt und unerkennbar herum laufen. Aber die meisten Kopftuch-Streitereien fallen ganz sicherlich nicht darunter.
    Das soll nicht heißen „alles Friede Freude Eierkuchen“. Nur, dass die Fixierung auf „passt Euch mal an uns an“ irgendwie dann dumm ist, wenn sie konkrete Lebensvorschriften macht. „Passt euch mal an an unseren leider nicht immer vorhandenen aber doch gewünschten Liberalismus“, darüber könnte ich wohl reden. Aber leider taugt der Spruch nicht, wozu so mancheR ihn gerne nutzen will.

    Gruß,
    das Einhorn.

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    1. Liebes Einhorn,
      deinen kritischen Einwand finde ich interessant und angebracht. Vielleicht ist es dir auch schon aufgefallen, dass ich recht provokativ und polarisierend schreibe. Trotzdem ja, ich denke da ist was wahres drann. Nein, noch nicht habe ich ü-2 Jahre im Ausland gelebt. Aber ich habe auch schon im Ausland gelebt z.B. Indien und #trustme das eine Semester hat ganz gut gereicht einen Eindruck zu bekommen. Wie man sich im Tempel anzuziehen hat, wie unterschiedlich die Rolle der Frau wahrgenommen wird, die Götter und ach ja die gute Ehe. Verlange ich zuviel? Vielleicht ja, aber bestimmt auch ein bisschen nein. Ich sehe das nunmal so – sich anpassen bedeutet nicht die eigene Landessprache aufgeben, Essgewohnheiten oder Religion. Leben oder Leben lassen. Aber ich darf schon erwarten das wir Deutschen unsere Tradition und Kultur nicht zurückschreiben müssen. Ist schon unser Land und ich schäme mich nicht das zu sagen. Deutsche Kultur ist wertvoll trotz einer furchtbaren Vergangenheit von der ich (und das kann ich nicht oft genug betonen) mich ganz klar distanzieren will. Toleranz müssen wir verstärken! Aber das, liebes Einhorn, ist doch die Aussage meines Artikels. Ich habe in WGs mit allen Arten von Minderheiten zusammen gelebt und das sowohl Rasse als auch Sexualität etc. Wunderbare Menschen von der ganzen Welt. Meine Mitbewohnerin, eine Perserin, sprach Farsi mit Ihren Eltern, hat persisches Neujahr gefeiert- alles traditionell. Sie war trotzdem offen für deutsche Kultur und hat Maultauschen und Grüne Sauce gefeiert (ziehmlich cooles Mädchen). Von solchen Menschen rede ich. Die sollen studieren, gleichberechtigt sein, unsere Freunde werden, ihre Tradition behalten, uns unsere lassen und offen dafür sein. Denn wir freuen uns auch bisschen neue Kulturen und Speisen kennen zu lernen. Ich bin total dafür! Toleranz und Akzeptanz! Nur bitte, ohne dass sich eine Seite aufgeben muss und immer im Hinblick darauf wer sich evtl. wie wo anpassen sollte. Sei es nur um ein kleines bisschen. -Nele PS. das Kopftuchthema diskutieren wir wann anders! 🙂

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