Wenn ich mal gross bin, werde ich nutte

Accchhhh träumt nicht jedes Mädchen davon? Während wir uns damals mit Barbies und Puppen beschäftigt haben und auch so schön sein wollten und so sexy (wenn wir wussten, was das bedeutet) haben wir nicht alle davon geträumt einmal von Männern jeden Alters, jeden Aussehens, jeder Nationalität und jeden Bildungsstand mal so „richtig durchgenommen“ zu werden?

Nein?

Wieso denn nicht? Weil wir keine Ahnung hatten, was es bedeutet Sex zu haben? Weil wir keine Ahnung davon hatten, was es bedeutet menschlich ausgebeutet zu werden, auf ein Stück Fleisch mit Titten und Mumu?

Komisch. Jetzt werden einige sagen oder denken, dass viele auch nicht davon träumen im Aldi an der Kasse zu arbeiten, aber denen würde ich gelinde sagen, dass Menschen die da arbeiten von unserer Gesellschaft vielleicht (leider) keine Anerkennung bekommen, aber doch immerhin Würde und Respekt. Jedenfalls haben meine Eltern mich so erzogen. Prostitution, das älteste Gewerbe der Welt, hat viele -zahlungswillige- Unterstützer, aber wenig soziale Achtung. Eher wird so getan, als gebe es diese Welt überhaupt nicht. Guess what: Es gibt sie.

Warum regt es mich so auf?

Ich denke aus zwei Gründen, der eine ist egoistisch geprägt, der andere altruistisch.

Ich bin aus egoistischen Gründen gegen Prostitution weil…

Viele verheiratete Männer gern mal auf dem bezahlbaren Weg ihre Partnerin betrügen. Betrug finde ich falsch und widerlich und mit einer Nutte betrogen zu werden, wäre für mich der schlimmste Alptraum. Ich kenne Mädchen, denen das passiert ist und die tun mir einfach crass leid. Ich kenne sogar Geschichten von Frauen, die Geschlechtskrankheiten erhalten haben, weil ihr Liebster im Ausland eine Prostituierte ohne Gummi pimpern musste und Ehen, die daran zerbrochen sind. Auch hatte ich Exfreunde, die mir gesagt haben, sie waren in der Vergangenheit schon bei Nutten (und sicher einige die es mir nie erzählt haben) und das hat mich damals hart getroffen. Aber wieso eigentlich „getroffen“?

Ich bin aus altruistischen Gründen gegen Prostitution weil…

Es eben viele Frauen und Mädchen gibt die nicht aus Spaß am Sex diesen Weg eingeschlagen haben sondern aus Leid. Armut, Liebesentzug und im schlimmsten Fall unfreiwilliger Zwang haben diese Menschen in jene Situation gebracht. Ich höre dann immer wieder „es gibt aber Frauen, die das echt so wollen“. Habe mich dann mal mit jemand unterhalten, der jahrelang im Puff gearbeitet hat. Er meinte „Nele – auf drei Prostituierte kommt ein Personalausweis. Weißt du, was das bedeutet? Es bedeutet, dass, wenn eine verschwindet, immer noch zwei sich unter dem selben Namen ausweisen können.“ Auf meine Frage, was er glaubt wieviele da echt freiwllig wären meinte er „Puhhh…vielleicht 10 Prozent?“. 10 Prozent. Mal ne Ansage. Bedeutet, dass jeder Mann der in einen Puff geht, sich zu 90% schuldbar macht, das Leid eines Menschen zu vergrößern.

Das sind dieselben Menschen die, wenn sie dann man eine Tochter haben und wahrscheinlich nicht mit einer Nutte, denn die sind ja weniger Wert, ihrer Tochter in spe sicher nicht raten würden dieses bussiness-feld zu betreten. Find ich interessant. Das sind die Menschen, die liebevoll sein können, Frauen achten und sich vegetarisch ernähren. Aber in den Puff gegangen sind damals, ohne es heute zu hinterfragen, abzuwerten oder sich mal kurz auseinander gesetzt haben, wie es den Frauen wohl so ging, als sie ihre Karriere beschnitten haben.

Empathie. Uns fehlt Empathie.

Wieso brauchen wir auch Empathie? Wir essen Fleisch und retten Vögel, die vom Baum gefallen sind. Wir trösten Freundinnen die betrogen worden sind und steigen doch mit verheirateten Männern ins Bett. Wir sind gegen die Nazi-Greuel und doch wäre es uns lieb wenn die blöden Flüchtlinge nicht bei uns landen würden, die Griechen endlich mal aufhören zu nerven und die Moslems, die eh alle nur radikal und böse sind, sich mal aus Deutschland verabschieden würden.

Doppelmoral, Doppelmoral und nochmal Doppelmoral

Wo sind unsere moralischen, christlichen, ethischen und -wenn wir das alles nicht haben- menschlichen Werte? Ich spreche hier nicht von „Luxus-prostituierten“ die für eine Nacht 500€ verdienen und mim Privatjet eingeflogen werden. Ich reden von denen, die Blowjobs für 5€anbieten. Sind die wirklich so wenig wert? Fragen wir uns denn nie, bei welchen Filmen sie weinen und lachen müssen, welche Themen sie mit ihren Freundinnen besprechen, ob sie eher „Katzen- oder Hunde-Menschen“ sind oder was ihre Lieblingsfarbe ist? Nein. Denn sie sind Massenware für den Sexbetrieb und weil’s die gibt, gibts ja auch weniger Prostutition. Ahhhja, geiles Argument. Bloß nicht den Kern des Problems sehen müssen. Augen zu und durch.

Es macht mich traurig. Traurig, nicht weil ich glaube jede Prostituierte ist eine liebe, unschuldige udn engelsgleiche Frau, sondern weil glaube, jede Prostituierte ist ein Mensch mit einer Geschichte. Einer Geschichte, die so anders ist als im Märchen.

Eine Geschichte die wir unserer Tochter niemals vorm Schlafengehen vorlesen werden, eine Geschichte in die wir uns nur flüchten, wenn unser eigenes Märchen zu langweilig wird. Um im Anschluss jedes negative Gefühl, jede Abwertung die (und das wird tief im Inneren gewusst) eigentlich uns gilt – auf die Ware Prostiuierte abzuwälzen. Sie bekommt alle Wut und Abwertung ab, die eigentlich ein ganz anderer Teil der Gesellschaft verdient hat. Nämlich dem Teil in uns selbst.

Was sagt ihr dazu?

In diesem Sinne #Respect

Picture: Giphy

-Nele

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3 Gedanken zu “Wenn ich mal gross bin, werde ich nutte

  1. Ja, jede Prostituierte ist ein Mensch mit einer Geschichte. Jeder Mensch ist ein Mensch mit einer Geschichte. Und nicht jede Geschichte ist schön, nicht jede Geschichte hat ein Happy End… Aber jede Geschichte ist (oder wäre) es wert, erzählt zu werden. Schön, dass du hinschaust…

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