Warum wir unsere Eltern lieben

Wir lieben unsere Eltern. Ist ja ganz klar. Denen haben wir es nämlich zu verdanken das wir jetzt heute hier sind auf dieser wunderbaren und oft auch beschissenen Welt. Eltern sind super. Außerdem lieben die uns ja auch, es macht also nur Sinn diese Gefühle zu erwidern. Zudem haben sie uns finanziell, emotional und sicher noch auf ganz, ganz vielen weiteren Ebenen unterstützt und sind immer für uns da. Time to say „Thank you“.

Sammelt man also alle Argumente auf warum man denn nun diese zwei Menschlein liebt, die ja doch ein ganzes Stück älter als man sind und sicherlich total andere und oft auch verquere Sichtweisen haben, findet man dann doch auch einige Kontra-Argumente warum man sie, so rein theoretisch nicht lieben könnte. Man sucht sich ja Freunde, die irgendwie ähnlich sind, ganz so „Gleich und Gleich gesellt sich gern“. Freunde, oder nach Definition Anderer „Familie-nach-Wahl“ verstehen uns, sind emphatisch und sooo crazy seelenverwandt! Hach ja!

Mit Eltern ist das irgendwie so bisschen anders. Klaro gibt es Ähnlichkeiten aber für mich als Feministin Marke Zero-Toleranz eben auch viele, viele Reibungspunkte mit meinem Daddy der findet dass kleine Menschen „Und das sind nunmal oft Frauen“ ruhig immer hinten sitzen sollten im Auto oder ich eben irgendwann mal ruhig den Nachnamen meines Mannes annehmen könnte. Der wäre doch eh viel schöner als unserer. Yo. Meine Mum und ich haben andere Reibungspunkte und das sind Glück andere Themen. Die kann mich nämlich ganz gut stressen wenn ich Freizeit habe und einfach mal nichts tun will. „Such Dir doch zu deinem Studium einen Job“, als ob studieren nicht anstrengend genug wäre, oder „Fang schonmal an Dich ein halbes Jahr vorher zu bewerben, sonst hast Du einen Monat Verdienstausfall“ sind keine Sätze die man als Student hören will. Hab ich dann einen Job gibt es sicher noch was anderes was ich gerne tun könnte. Bloß nicht Faulenzen, das mag sie gar nicht. Außerdem kann mir meine Mutti wie kein Anderer Mensch dieser Welt Dinge unbewusst madig machen wie das eine Mal vor meinem Studium (ich war natürlich crazy excited, weil Uni und so, untern Baum lernen und so, Parties und die große Liebe kennen lernen und so). Muttern hatte mir dann erzählt wie schön das Unileben denn werden würde auch wenn man kaum Zeit für Freizeit hätte, da man die ganze Zeit lernen müsste. Also die ganze Zeit! Sie und Papa wären monatelang nicht aus gewesen, weil man ja 100 Seiten pro Tag lesen müsste. Und das man eben keinen Geld hätte („Such dir einen Studienjob. Ich glaub ein Hiwi-job ist ausgeschrieben!“) und ein Freund im Schwimmbad seine Unnnahos‘ getragen hätte (weiß, retroschnitt, not hot I guess) weil er zu arm war sich eine Badehose im Kaufhof für 5 Mark zu kaufen. Autsch. Oder das andere Mal wo dieses echt „ober nette Paar“ was „ein bisschen aufs Geld achten musste“ meine Eltern eingeladen hatte und einen Algorithmus für Nudeln entwickelt hatte der daraus bestand genau abzumessen wie viel wer konsumieren würde um bloß keine Nudel übrig zu lassen. Klar, waste finde ich auch blöd aber Nudeln peronenspezifisch abzumessen mit der Waage? Hört sich nicht nach Spaß an. Oder die andere story in der sie von ihrem Lieblingspulli gesprochen hat, der übrigens auch ihr einziger Pulli war during ze studies. „Aber es war so schön“. It surely was. Hat sich nur irgendwie nicht so angehört damals.

Aber zurück warum ich sie dennoch sehr liebe, meine zwei Streithähne, mein Vorbildspaar, die Helden und Bösewichte meiner Kindheit: Meine Eltern.

„Gegensätze ziehen sich an“ scheint mir ebenso famous wie das dependent mit Gleich und Gleich. Eltern challengen einen das ganze Leben, regen einen auf, bringen die besten und fiesesten Momente seiner Selbst zum Vorschein und lieben einen dennoch. Es ist die intensivste, ehrlichste und emotionalste Beziehung unseres Lebens (mal angesehen von der Beziehung mit einem selbst) und man wird regelmäßig an die Grenzen seiner Empathie und Liebe gesteuert, überschreitet sie jedoch nie. Ich für meinen Teil kann sagen, dass es nie einen Tag gibt an denen ich meine Eltern nicht geliebt habe, auch wenn mein ätzendes, pubertierendes Ich es vielleicht mal gesagt oder gedacht hat. Sorry dafür. Zudem ist die Liebe der Eltern nicht an Konditionen geknüpft, man liebt sich selbstverständlich und ohne Diskussion. Außer man bekommt kein Handy, obwohl das alle anderen in der Klasse haben und das ist ja so unfair buhuuuu. Nein, seriously: Die Eltern-Kind-Liebe ist in meinen Augen dauerhaft, forever-ever und unzerstörbar. Außerdem lernt man Ambivalenzen zu ertragen und Menschen nicht auf Podeste zu stellen, man muss nämlich Mummy und Daddy gleich doll lieben auch wenn man andere Beziehungen zueinander pflegt. Hat man dann noch ein Geschwisterchen lernt man, dass man nicht immer jemand mehr oder weniger lieben muss. Hierarchien beginnen sich aufzulösen und ein Thron kann auf einmal groß genug für mehr als eine Person sein!

Aber wenn die Eltern-Kind-Liebe so unantastbar, kostbar und einzigartig ist, wieso haben so viele Menschen ein schlechtes Verhältnis miteinander? Lieben sie sich tatsächlich nicht oder haben sie einfach vergessen das zu kommunizieren? An dieser Stelle: gehört ihr zu dieser Kategorie, würde ich sehr gerne Euren Input zu dem Thema haben. Trennen Familien immer tiefgründige Probleme (und ich spreche nicht von menschlichen Abgründen wie Missbrauchsfällen) oder können auch Kleinigkeiten Beziehungen nachhaltig belasten? Was ist überhaupt Familie? Hört das bei der kleinen Familie auf oder ist der Begriff expandierfähig – sowohl terminologisch als auch emotional?

Back to the parents…wahrscheinlich sind sie beides „Gleich und Gleich“ und „Gegensätze“ denn wir fühlen das komplette Spektrum mit Ihnen, sind wir einen Tag Seelenverwandt fühlen wir uns den nächsten adoptiert da nicht verstanden. Aber immer fühle ich mich geliebt und fühle das selbe zurück. Können wir aus dieser Liebe etwas lernen? Nicht nur für unsere „eigene“ Familie die wir einst gründen werden, sondern für unseren Partner, unsere „expandierte“ Familie, für unsere Freunde – die „Familie nach Wahl“, oder vielleicht sogar unsere Mitmenschen, das heisst total fremde Menschlein?

Also eine Prise bedingungslose Liebe für alle.

Oder bin ich jetzt wieder zu Hippiemäßig?

In diesem Sinne, #MakeLoveNoWar

-Nele

P.s. Sagt euren Eltern das ihr sie liebt. Now.

Source for GIF: Thumblr

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